








Mit ihrem 5. Soloprogramm gastierte die Kabarettistin Christine Eixenberger auf der KiR-Bühne und begeisterte ihr Publikum. Stehende Ovationen am Ende des zweistündigen Auftritts waren der verdiente Lohn für ein äußerst unterhaltsames Verbalfeuerwerk. Zum wiederholten Mal bewies die mit dem bayrischen Kabarettpreis ausgezeichnete Schlierseerin in Rheinstetten ihr Können als Entertainerin.
Mit vollem Körpereinsatz und überzeugender Mimik nahm sie das KiR-Publikum mit auf die Reise „ihrer fortgeschrittenen Paarwerdung in turbulenten Zeiten“. Denn mit Ende Dreißig, so erklärte Eixenberger, sei sie mit ihrem Freund, dem Herzbuben, zusammengezogen. Genauer: Er sei zu ihr gezogen und eigentlich war ihre kleine Wohnung im Dachgeschoss eine Art Erstaufnahmeeinrichtung. Das erfordere Kompromisse und vor dem Einzug die Bereitschaft zum großen Ausmisten. Welche Qualen es verursacht, sich von geliebten Dingen trennen zu müssen, konnten viele im Publikum aus eigener Erfahrung nachvollziehen.
Immer wieder gelang es Christine Eixenberger, die kleinen Krisen des neuen Zweierhaushalts (Warum liegen die Krümel vom Frühstück noch auf dem Esstisch, obwohl schon Nachmittag ist?) mit den großen Krisen unserer Welt zu verknüpfen. Als Angehörige der Generation Y hinterfrage sie die Dinge und ergründe das Warum. „Warum“, so fragte sie, „schaffen es ausgerechnet die Österreicher trotz enormer topografischer Hindernisse ein funktionierendes Schienennetz zu betreiben?“ Und die Lieferkettenprobleme, unsere Abhängigkeit von China, Russland, den USA, löst sie mit dem eigenen Küchen-Biotech-Labor: „Wir machen uns unabhängig. Mit dem Thermomix produzieren wir jetzt Penicillin!“
Ihre überzeugende komödiantische Kompetenz zeigte Christine Eixenberger als sie den neuen Bastel-Bachelor für die Grundschule vorstellte. Die Absurdität des Dargestellten offenbarte einmal mehr den deutschen Hang zu vermeintlichem Perfektionismus und Überreglement. Auffallend wie die Kabarettistin Figuren aus ihren vorangegangenen Programmen in „Volle Kontrolle“ einbaute und weiterentwickelte oder wie sie sich selbst auf die Schippe nahm und Bezüge zu ihren Fernsehrollen, z.B. Marie fängt Feuer, herstellte.
Übrigens: Die fortgeschrittene Paarwerdung gelang zwar nicht, denn Chrissys Herzbube zog wieder aus, aber umso herzlicher war Christine Eixenbergers Verbindung zum Rheinstettener Publikum, das ihren Auftritt stehend mit großen Applaus belohnte.













Bei seinem Auftritt in Rheinstetten bestätigte sich, was die Presse über seine Wandlungsfähigkeit und seine schauspielerischen Kabinett-Stückchen schreibt: „Erik Lehmann ist herrlich böse, politisch-aktuell, hochintelligent und mutig – aber vor allem richtig witzig.“
Der gebürtige Leipziger, Kabarettist, Kolumnist und Hobby-Imker stand mit seinem Solo-Bühnenprogramm „Neues aus dem Muttiheft“ bei KiR auf der Bühne. Obwohl 2022 mit dem Stuttgarter Besen ausgezeichnet, ist der Künstler hier im tiefen Südwesten noch eher unbekannt, vollkommen zu unrecht.
Erik Lehmann spielte in seinem Programm mit den verschiedenen Dialekten, ob Sächsisch, Bairisch, Österreichisch oder wie ihm die Berliner Schnauze gewachsen ist, er wechselte gekonnt zwischen seinen Figuren und ihren Dialekten. Unterbrochen wurde das Programm immer wieder von seinen Kolumnen, die er gebückt auf seinem Hirschgeweihhocker sitzend zum Besten gab. Dabei lässt Erik Lehmann kein Thema aus: Fußball, der eingefrorene Schnorres eines Biathleten, oder die altarähnliche Aura eines Thermomix. Gekonnt arbeitet der Kabarettist mit der Sprache.
Und zwischen den Kolumnen kamen Waldbesitzer Schorsch aus Bayern zu Wort, der seinen Wald attraktiv machen soll und sich dann mit den Stadtkindern und deren Müttern in ihren „paramilitärischen Schulwegpanzern“, kurz SUVs, herumschlagen muss. Oder Günther in Badehose und Bademantel, auch das Auge lacht ja schließlich mit, der bei den Dreharbeiten zum Frauentausch für die Gattin daheim „Spülmaschinentabs“ kaufen muss. Und dann natürlich seine Paradefigur Uwe Wallisch, der Kleingärtner und Militariabastler aus Dresden, der einzige Mensch bei dem die Evolution sagt: „Bingo!“ Egal ob dieser ein vermeintliches U-Boot-Modell kauft oder versucht eine Gartenhortensie in blau zu verkaufen, mit dieser Figur gewann Erik Lehmann sein Publikum. Aber auch ernstere Themen schlägt der Künstler an, wenn er sich mit dem würdigen Ende des Lebens und der Frage eines selbstbestimmten Ablebens beschäftigt. Und selbst hier schafft er es dem ernsten Stoff um Vorsorgevollmacht und - als letzter Ausweg - dem Waffenschein einige Lacher abzuringen.
Und so waren am Ende des Abends beide, Publikum und Künstler, zufrieden. „Das war ein super Abend!“, meinte eine Besucherin beim Rausgehen. „Wow! Das war eine Wucht!“, schrieb Erik Lehmann lobend ins Gästebuch.











