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Wir waren/sind 2026 bei KiR

Erik Lehmann
Christine Eixenberger
Michael Altinger
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Jochen Malmsheimer
Mathias Tretter

25 Jahre KiR-Bühne: Geburtstagsfeier mit Rastetter & Wacker

Gemeinsam mit Martin Wacker & Erik Rastetter und ihrem „Lach-Leseabend“ hat die KiR-Bühne ihren 25. Geburtstag gefeiert. Nach dem Begrüßungssekt für alle Geburtstagsgäste gab KiR-Leiter Christoph Lembach in seiner Begrüßungsrede einen kurzen Überblick über die Entwicklung der KiR-Bühne und verwies auf das Buch zum KiR-Jubiläum, das in der Pause verschenkt wurde.

 

An diesem Freitagabend waren die Temperaturen unerträglich, umso glücklicher waren die Gäste der KiR-Bühne über den gekühlten Theatersaal im Mörscher Schulzentrum. Bei der Geburtstagsfeier blieb die Hitze "außen vor" und drinnen heizten Erik Rastetter und Martin Wacker mit ihren szenischen Darbietungen und den zum Teil absurden Texten gewaltig ein! - Die beiden Karlsruher Schauspieler und Kabarettisten hatten aus ihrem großen Fundus, schließlich machen Rastetter und Wacker seit 1988 gemeinsam Kabarett, einen gelungenen Lach-Leseabend zusammengestellt nach dem Motto „verrückt und zugetextet“.

 

Der Einstieg in den Abend gelang ihnen mit Hanns Dieter Hüsch, ihm folgten Überlegungen des langjährigen Autors der Münchner Lach- und Schießgesellschaft Hans-Peter Schreiner von 1987, in dem er seine Visionen und Ängste über eine zukünftige Informationsgesellschaft darlegte, was hochaktuell war und die heutige Position der globalen Tech-Konzerne erschreckend vorwegnahm. Immer wieder nutzten Rastetter und Wacker das literarische Werk des Schweizer Schriftstellers, Kabarettisten und Liedermachers Franz Hohler, um Glanzpunkte zu setzen. So beispielsweise „Die Ballade von der Orthographie“, die von Martin Wacker grandios vorgetragen wurde: „Es war einmal eine Schreibmaschine, die war ein Fall für sich. Sie gehörte dem Chef einer Lampenfirma, das war ein gewisser Herr Stich“. Oder passend zum Auftrittsort im Mörscher Schulzentrum den höchst unterhaltsamen Text von Franziska Polanski zum Thema Interpunktion, aus dem sich sehr deutlich erschloss, wie wichtig richtige Zeichensetzung für das Verständnis von Sprache ist.

 

Immer wieder streuten die beiden Karlsruher Künstler eigene Texte und Szenen ein: „Der Mörder ist immer der Gärtner“, „Der Badener im Gourmettempel“ oder die Geschichte von Heinz Weber aus Etje, dem Friedhofsgärtner vom Hauptfriedhof, den sie mit dem Architekten für den Umbau des Karlsruher Staatstheaters verwechselten.

 

Wunderbar amüsant waren auch die Zitate aus den Polizeimeldungen der Südpfalz, den Mitteilungen des Standesamtes in Bruchsal oder den Verlautbarungen der Bundeswehr, in denen zu lesen ist, der Tod sei die stärkste Form der Dienstunfähigkeit. Ebenso unterhaltsam waren die Einspieler aus Rundfunksendungen, die kuriose Versprecher in Karlsruher Sendern dokumentierten.   

 

Den gelungenen Lach-Leseabend schloss Fußballfachmann Martin Wacker, Stadionsprecher des KSC, das Scheitern der DFB-Mannschaft ahnend, mit einem Zitat aus der reichhaltigen Sammlung von Fußballerweisheiten: „Nichts ist Scheißer als Zweiter!“

 

 

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner

Michael Altinger oder der Cowboy von Strunzenöd

„Die letzte Tasse Testosteron“ – der Titel ließ keinen Zweifel, um was es im neuen Programm von Michael Altinger, mit dem er nach Rheinstetten auf die KiR-Bühne kam, ging: um Männlichkeit, um konzentrierte, nicht immer positive Rollenbilder von gestern und ihr heutiges Wiederaufleben. Wie fragte schon Herbert Grönemeyer 1984: „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Michael Altinger gab Antworten und zeigte auf die vermeintliche Wurzel allen Übels, dem Männlichkeitshormon Testosteron.

 

Eine Tasse davon stand von Anfang an trinkbereit auf einem Stehtisch. Immer wieder griff der Kabarettist nach der Tasse, aber immer wieder stellte er sie ab, um seine Beobachtungen und Geschichten über die Geschlechterrollen von der Urzeit bis heute zu erzählen.

 

Schon der erste Auftritt des Abends war perfekt inszeniert: Gitarrist Andreas Rother hüllte die KiR-Bühne in typische Westernklänge und aus dem Dunkel der Bühne trat ein Cowboy, präsentierte eine gelungene Trump-Parodie und das Publikum war gewonnen. Mit seiner Bühnenpräsenz und Spielfreude gelang es Altinger mit Cowboyhut, bissigen Pointen und reichlich Testosteron im Gepäck, sein Publikum über zwei Stunden perfekt zu unterhalten.

 

Oder wie es Ralf Joachim Kraft in den BNN formulierte:

„Mit scharfsinnigem Witz sezierte Altinger die aktuelle Lage, greift Klischees auf, überzeichnet und entlarvt sie. Er zeigt, wie dünn die Fassade vieler testosterongesteuerter Selbstdarsteller ist. Trump, Putin oder Elon Musk bekommen ebenso ihr Fett weg wie die AfD oder Untergangspropheten, die die unausweichliche Katastrophe beschwören, um sich vor der Verantwortung zu drücken. Zwischendurch blättert der „links-grün versiffte Best-Ager“ im „großen Buch der Strunzenöder“ und liest aus seiner mit illusteren Vorfahren gespickten Familienchronik.“

 

Dabei erwähnte er nicht nur Galileo Altinger, der die Welt aus einer Scheibe in eine Kugel umgeknetet hat, sondern auch Wikinger Altingerson oder Michelangelo Altinger und auch Hildegard von Altinger, die allesamt in der Saga seiner Strunzenöder Familie auftauchen.

 

Der BNN-Artikel endet mit der Erkenntnis: „Moralpredigten mit erhobenem Zeigefinger sind Altingers Sache nicht. Er gehört eher zu jenen, die Haltung zeigen und das Publikum über das Lachen zum Nachdenken bringen.“ Das ist ihm in Rheinstetten gelungen, wie der große Schlussbeifall zeigte.

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner

Christine Eixenberger: Von Lieferketten, Thermomix und fortgeschrittener Paarwerdung

Mit ihrem 5. Soloprogramm gastierte die Kabarettistin Christine Eixenberger auf der KiR-Bühne und begeisterte ihr Publikum. Stehende Ovationen am Ende des zweistündigen Auftritts waren der verdiente Lohn für ein äußerst unterhaltsames Verbalfeuerwerk. Zum wiederholten Mal bewies die mit dem bayrischen Kabarettpreis ausgezeichnete Schlierseerin in Rheinstetten ihr Können als Entertainerin.

 

Mit vollem Körpereinsatz und überzeugender Mimik nahm sie das KiR-Publikum mit auf die Reise „ihrer fortgeschrittenen Paarwerdung in turbulenten Zeiten“. Denn mit Ende Dreißig, so erklärte Eixenberger, sei sie mit ihrem Freund, dem Herzbuben, zusammengezogen. Genauer: Er sei zu ihr gezogen und eigentlich war ihre kleine Wohnung im Dachgeschoss eine Art Erstaufnahmeeinrichtung. Das erfordere Kompromisse und vor dem Einzug die Bereitschaft zum großen Ausmisten. Welche Qualen es verursacht, sich von geliebten Dingen trennen zu müssen, konnten viele im Publikum aus eigener Erfahrung nachvollziehen.

 

Immer wieder gelang es Christine Eixenberger, die kleinen Krisen des neuen Zweierhaushalts (Warum liegen die Krümel vom Frühstück noch auf dem Esstisch, obwohl schon Nachmittag ist?) mit den großen Krisen unserer Welt zu verknüpfen. Als Angehörige der Generation Y hinterfrage sie die Dinge und ergründe das Warum. „Warum“, so fragte sie, „schaffen es ausgerechnet die Österreicher trotz enormer topografischer Hindernisse ein funktionierendes Schienennetz zu betreiben?“ Und die Lieferkettenprobleme, unsere Abhängigkeit von China, Russland, den USA, löst sie mit dem eigenen Küchen-Biotech-Labor: „Wir machen uns unabhängig. Mit dem Thermomix produzieren wir jetzt Penicillin!“

 

Ihre überzeugende komödiantische Kompetenz zeigte Christine Eixenberger als sie den neuen Bastel-Bachelor für die Grundschule vorstellte. Die Absurdität des Dargestellten offenbarte einmal mehr den deutschen Hang zu vermeintlichem Perfektionismus und Überreglement. Auffallend wie die Kabarettistin Figuren aus ihren vorangegangenen Programmen in „Volle Kontrolle“ einbaute und weiterentwickelte oder wie sie sich selbst auf die Schippe nahm und Bezüge zu ihren Fernsehrollen, z.B. Marie fängt Feuer, herstellte.

 

Übrigens: Die fortgeschrittene Paarwerdung gelang zwar nicht, denn Chrissys Herzbube zog wieder aus, aber umso herzlicher war Christine Eixenbergers Verbindung zum Rheinstettener Publikum, das ihren Auftritt stehend mit großen Applaus belohnte.

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner

Erik Lehmann auf der KiR-Bühne: Uwe, Schorsch und Frauentausch

Bei seinem Auftritt in Rheinstetten bestätigte sich, was die Presse über seine Wandlungsfähigkeit und seine schauspielerischen Kabinett-Stückchen schreibt: „Erik Lehmann ist herrlich böse, politisch-aktuell, hochintelligent und mutig – aber vor allem richtig witzig.“ 

 

Der gebürtige Leipziger, Kabarettist, Kolumnist und Hobby-Imker stand mit seinem Solo-Bühnenprogramm „Neues aus dem Muttiheft“ bei KiR auf der Bühne. Obwohl 2022 mit dem Stuttgarter Besen ausgezeichnet, ist der Künstler hier im tiefen Südwesten noch eher unbekannt, vollkommen zu unrecht.

 

Erik Lehmann spielte in seinem Programm mit den verschiedenen Dialekten, ob Sächsisch, Bairisch, Österreichisch oder wie ihm die Berliner Schnauze gewachsen ist, er wechselte gekonnt zwischen seinen Figuren und ihren Dialekten. Unterbrochen wurde das Programm immer wieder von seinen Kolumnen, die er gebückt auf seinem Hirschgeweihhocker sitzend zum Besten gab. Dabei lässt Erik Lehmann kein Thema aus: Fußball, der eingefrorene Schnorres eines Biathleten, oder die altarähnliche Aura eines Thermomix. Gekonnt arbeitet der Kabarettist mit der Sprache.

 

Und zwischen den Kolumnen kamen Waldbesitzer Schorsch aus Bayern zu Wort, der seinen Wald attraktiv machen soll und sich dann mit den Stadtkindern und deren Müttern in ihren „paramilitärischen Schulwegpanzern“, kurz SUVs, herumschlagen muss. Oder Günther in Badehose und Bademantel, auch das Auge lacht ja schließlich mit, der bei den Dreharbeiten zum Frauentausch für die Gattin daheim „Spülmaschinentabs“ kaufen muss. Und dann natürlich seine Paradefigur Uwe Wallisch, der Kleingärtner und Militariabastler aus Dresden, der einzige Mensch bei dem die Evolution sagt: „Bingo!“ Egal ob dieser ein vermeintliches U-Boot-Modell kauft oder versucht eine Gartenhortensie in blau zu verkaufen, mit dieser Figur gewann Erik Lehmann sein Publikum. Aber auch ernstere Themen schlägt der Künstler an, wenn er sich mit dem würdigen Ende des Lebens und der Frage eines selbstbestimmten Ablebens beschäftigt. Und selbst hier schafft er es dem ernsten Stoff um Vorsorgevollmacht und - als letzter Ausweg - dem Waffenschein einige Lacher abzuringen.   

 

Und so waren am Ende des Abends beide, Publikum und Künstler, zufrieden. „Das war ein super Abend!“, meinte eine Besucherin beim Rausgehen. „Wow! Das war eine Wucht!“, schrieb Erik Lehmann lobend ins Gästebuch.

Die Bilder des Abends von Wolfgang Lauber